Im Licht des Südens

Die großen Wege unserer Kultur sind heute von einer beeindruckenden Geschwindigkeit in den weiten Räumen einer globalisierten Welt bestimmt. Sie zeichnen sich durch unsichtbare Bahnen im Internet und den Korridoren der Flugzeuge aus.

Dagegen waren die Wege der alten Welt geprägt vom langsamen Tempo der Füße, der Hufe, der Räder, der Karren und Schiffe, die vor dem Wind segelten. Die Wege wurden von abenteuerlustigen Pionieren, Siedlern, Händlern, Kriegern oder Sklaven geschaffen, aber auch durch die unaufhaltsamen Gedanken des Menschen, seine Fähigkeit zu erforschen und zu experimentieren, zu erfinden und zu kommunizieren.

Die Wege der Kulturen waren die komplizierten und im Laufe der Zeit entstandenen eigentümlichen Wege von Rohstoffen, von Wissen, von Lebensstilen, und den daraus erwachsenden magischen und religiösen Überzeugungen. Sie spiegelten sich in der Bekleidung und dem Schmuck, in Arbeits- und Kriegsgerät, in den Wohnstätten und Tempeln wider, im Essen und Trinken, in Sitten, Gesten, Symbolen, Bildern und Worten.

Die Wege der Kulturen entsprachen den Wegen der Waren. Wein und Öl haben zusammen mit griechischen, etruskischen und römischen Händlern die Völker des Nordens erreicht und beeinflussten den Lebensstil der Aristokratie. Der Lebensstil ist das Ergebnis der Wechselwirkung des Menschen mit der Natur und seinen Mitmenschen. Die Überwindung des Horizontes des Alltäglichen stärkt das Bewusstsein gegenüber dem Andersartigen und Fremden. Kontakte und Austausch, auch wenn sie nur kurz oder unbewusst waren, führten zu einer kontinuierlichen Anhäufung von Erfahrungen, positiven wie negativen.

Es sind die „Begegnungen und Auseinandersetzungen der Kulturen“, die in der Antike wie auch heute noch das Denken und Verhalten beeinflussen, die Misstrauen und Ängste schüren, aber auch Neugier und Interesse wecken.

Die neue große Sonderausstellung der Archäologischen Staatssammlung widmet sich dieser Begegnung und dem Kulturtransfer zwischen dem Mittelmeerraum und Zentraleuropa von der Steinzeit bis in die Zeit der Römer und stellt dazu über 500 einzigartige Exponate aus den berühmtesten Museen Italiens erstmalig prominenten Objekten aus den großen nordalpinen Museen gegenüber.